Die Wernerkapelle – und Ihre Geschichte…

Die Ruine der Wernerkapelle thront hoch über Bacharach.
Wunderschön ist sie anzusehen, doch ahnt man im in diesem Moment noch nicht welche grausame Geschichte Ihrem Bau zugrunde liegt. Doch erzählen wir die Geschichte von Anfang an.

Im 13. Jahrhundert lebte ein junger Tagelöhner mit dem Namen Werner in Oberwesel. Er stammte aus einer armen Familie und verdiente sich sein täglich Brot in einem jüdischen Haushalt.
Doch die Kriminalgeschichte beginnt erst am Gründonnerstag des Jahres 1287 als der 16-jährige Junge tot am Rheinufer der Stadt Bacharach aufgefunden wird. Vielen kam dieser Fund gelegen, um ganz im Sinne des antisemitischen Zeitgeistes die ansässigen Juden eines Ritualmordes, an dem jungen Werner zu beschuldigen. Die Gerüchte verbreiten sich schnell und so ist bald allen klar, dass die jüdische Gemeinschaft das Blut des Jungen nach einem Ritual zum Pessach-Fest verwendet haben soll – mit Fatalen Folgen für die jüdische Gemeinschaft.

Die Gewaltwelle die nun folgte erschütterte nicht nur die Mittelrhein Region sondern verbreitete sich bis weit über das Mosel Gebiet und den niederrheinischen Raum. Das jüdische Volk wandte sich nun in seiner Verzweiflung an König Rudolf I.. Dieser war von der Unschuld der Juden überzeugt und bestrafte sich christliche Gemeinde, die Gemordet und jüdische Gemeinden vollkommen zerstört hatten mit einer Geldbuße. Zusätzlich gab er Befehl die Leiche des jungen Werners zu verbrennen um eine Heiligenverehrung zu verhindern. Doch es war zu spät.

Die Anordnung wurde nicht befolgt, es entstand der Wernerkult und bereits zwei Jahre später begann man mit dem Ausbau der kleinen Kunibertkapelle in Bacharach zur Wernerkapelle. Die Heiligenverehrung  nahm zu, da bereits kurze Zeit später verschiedene Wunder am Grab des jungen Werners geschehen sein sollen. Jedoch wurde der Bau der Kapelle erst einmal nicht vollendet, da nach einer Beschlagnahmung der Baukasse im Jahre 1338 und einem langsamen Rückgang des Wernerkultes und damit auch das Wegbleiben des Wallfahrer schlicht das Geld fehlte. Zwischen 1426 und 1429 versuchte Pfalzgraf Ludwig III. den Kult wiederzubeleben und erreichte eine offizielle Anerkennung Werners durch die Kirche, womit der Bau schließlich doch vollendet werden konnte.

Im Jahre 1548 wurden ein Teil der Werner Reliquien nach Frankreich überführt, wodurch sich auch hier der Wernerkult verbreitete. 1689 wurde die Kapelle bei der Sprengung der Burg Stahleck durch herabfallende Trümer stark beschädigt. 1752 musste man aufgrund der Gefahr eine Bergrutsches den Nordarm abtragen und schließlich wurden 1787 alle Dächer und Gewölbe entfernt.
Seit 1981 kümmert sich der Bauverein Wernerkapelle um den Schutz und die Wiederherstellung der Kapelle.

Nach neueren Forschungen soll der junge Werner wohl einem Sexualverbrechen zum Opfer gefallen sein, dass man durch die falsche Anschuldigung der jüdischen Gemeinschaft vertuschen wollte. Doch die genauen Umstände des Todes des jungen Werners werden wir wohl nie erfahren.

 

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